Wie funktioniert das mit den Aktien?

Eine Aktie ist ursprünglich so etwas wie ein Stück Maschine. Aber sehen wir uns das genauer an. Stellen wir uns vor, Greta hat die tolle Idee, im Sommer einen Kiosk vor ihrem Haus aufzustellen, um in den Ferien an Passanten Eis zu verkaufen. Da sie weiß, dass sie das nicht von ihrem Taschengeld schafft, macht sie ihren Freundinnen und Freunden einen Vorschlag: Ihr gebt mir alles etwas von eurem Taschengeld dazu und ich kaufe davon dann einen Kiosk-Wagen. Und dafür bekommt ihr dann vom Gewinn, den ich mache, einen Teil. Wenn Greta also für jeweils einen Euro 100 Eis am Stiel verkaufen würde und dabei pro Eis 50 Cent verdient, weil sie die Zutaten ja noch abziehen muss, dann kann sie jedem der 9 Freunde 5 Euro abgeben und hat selbst noch 5 übrig. Solange bis diese das Geld zurück haben, dass sie verliehen haben. Und danach natürlich auch noch, nur dass sie nun einfach jeden Tag daran verdienen.

Ziemlich ähnlich hat sich das vor etwa 200 Jahren abgespielt. Damals wurden die ersten Eisenbahnen gebaut und die Unternehmer, die das vorhatten, hatten zwar viel Geld, aber bei weitem nicht genug für so etwas teures wie die Produktion von Loks und die Verlegung von Schienen. Also sammelten sie von anderen Geschäftsleuten so viel Geld zusammen, bis sie genug hatten und diese erhielten im Gegenzug Aktien von dem geplanten Eisenbahnunternehmen. Eine Aktie war also gewissermassen ein kleiner Teil eines Unternehmens, den man sich kaufen konnte. Und je nachdem, wie das Geschäft lief, konnte man danach ein Leben lang Geld damit verdienen, nachdem die Schulden zurückgezahlt worden waren. Oder man blieb auf dem Geld, dass man gezahlt hatte sitzen, weil die Firma pleite machte, und machte Verlust.

Seit dieser Zeit funktioniert das mit den Aktien eigentlich unverändert. Nur dass es inzwischen alles gut organisiert ist: auf einem Marktplatz für Aktien, den man Börse nennt, und auf dem man Aktien von vielen Unternehmen kaufen und verkaufen kann. Aber es ist immer noch so, dass man sich mit einer Aktie einen Teil des Unternehmens kauft und dafür einen Teil des Gewinns bekommt, den das Unternehmen macht. Man kann aber auch immer noch Verlust machen, wenn ein Unternehmen pleite geht oder nicht mehr viel Geld verdient. Dann hat man zwar immer noch Aktien, die sind aber nicht mehr viel wert. Das war z. B. um das Jahr 2000 herum der Fall mit den ersten Unternehmen, die über das Internet Geld verdienen. Damals gab es viele Ideen für solche Unternehmen und viele Leute haben Aktien von diesen gekauft. Leider konnten sich die meisten Ideen nicht durchsetzen und sehr viele Aktien waren über Nacht kaum mehr etwas wert. Denn eine Aktie ist an der Börse um so teurer, je mehr Leute sie kaufen wollen. Und nachgefragt sind natürlich vor allem die Aktien, die gute Gewinne versprechen.

Der Sinn des Ganzen ist bis heute, dass man an der Börse die Leute, die Geld übrig haben und es gerne vermehren möchten, zusammen bringt mit Leuten, die ein Unternehmen haben oder gründen wollen, das große Gewinne verspricht, das sie aber nicht von dem eigenen Geld realisieren können.
Impressum | Illustrationen: Gert Albrecht