Warum müssen Länder immer so viele Schulden machen?

Länder müssen eigentlich keine Schulden machen – sie tun es aber trotzdem, fast alle. Sehen wir uns also zuerst an, wie es dazu kam, dass die meisten europäischen Länder sich das Schuldenmachen angewöhnt haben. Und dann, warum das heute zu einem so großen Problem geworden ist.

Nehmen wir mal an, Greta wird Vorsitzende in einem Ruder-Verein, der leider ziemlich Schulden angehäuft hat, weil er seinen Mitgliedern vieles gratis zur Verfügung stellt: die Boote, Getränke und regelmäßige Feiern. Nach einem Jahr will sie wiedergewählt werden und muss nun erzählen, was sie ändern möchte, wenn sie gewählt wird. Eigentlich weiß sie natürlich, dass der Verein seine Schulden schnell loswerden müsste, da er inzwischen einen großen Teil seines Geldes für Zinsen ausgibt. Aber das würde auch das Ende der kostenlosen Kanus und der Feiern bedeuten. Da würde sie wohl kaum wiedergewählt werden. Also denkt sie sich, ein kleines bisschen mehr Schulden macht jetzt auch nichts mehr aus und verspricht kostenlose Neopren-Anzüge für alle, wenn sie gewählt wird.

So ungefähr machen es unsere Politiker seit einiger Zeit. Um gewält zu werden, versprechen sie den Gruppen, von denen sie gerne gewählt werden möchten, finanzielle Verbesserungen. Etwa ein kostenloses Studium für alle, oder finanzielle Unterstützung von jungen Eltern oder aber Steuererleichterungen für wohlhabende Bürger. Und da die meisten Länder in Europa schon lange eine Menge Schulden angehäuft haben, wird einfach immer noch ein bischen etwas draufgesetzt auf die Schuldenberge.

Jetzt denken die meisten von Euch wahrscheinlich: was sind das für unseriöse Menschen, die einfach mehr Geld ausgeben, als sie haben, dabei ist das nicht einmal ihr Geld, sondern das Geld von uns allen! Das Ganze wird aber ein bischen nachvollziehbarer, wenn man sich ansieht, wie es zu dieser eigenartigen Praxis kam. Angefangen hat es eigentlich vor 60 Jahren, als nach dem zweiten Weltkrieg ganz Europa wieder aufgebaut werden musste und es deswegen zum sogenannten Wirtschaftswunder kam. Die Wirtschaft brummte, da fast alles neu hergestellt und wieder aufgebaut werden musste und dementsprechend gab es jedes Jahr mehr Steuereinnahmen als im Jahr davor. Und das ging so über fast 30 Jahre! Und in dieser Zeit haben es sich die Politiker angewöhnt, jedes Jahr mehr Geld auszugeben, als im Jahr zuvor, denn es wurde ja auch jedes Jahr mehr. Nach und nach wurde so z. B. in vielen Ländern in Europa ein Sozialstaat geschaffen, der den meisten Bedürftigen unter die Arme greift.

Leider ging das nicht ewig so weiter. Irgendwann in den 1970er Jahren waren die Kriegsschäden ungefähr ausgeglichen und die Steuereinnahmen wurden wieder weniger. Die Politiker waren aber so daran gewöhnt, jedes Jahr mehr Geld auszugeben, dass sie das einfach weiter so hielten. Erst seit der Jahrtausendwende fing man z. B. in Deutschland an, ernsthaft an einem ausgeglichenen Haushalt zu arbeiten, also daran, nicht noch weitere Schulden zu machen.

Und warum ist das heute plötzlich so ein Problem?
Hier spielt die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009 eine wichtige Rolle. Damit nicht das ganze Wirtschaftssystem zusammenbricht, mussten viele Länder noch mehr Schulden aufnehmen, als sie ohnehin hatten, um die Banken zu retten. Und als die Finanzkrise dann zur Wirtschaftskrise wurde und in der eigentlichen Wirtschaft ankam, mussten nochmal neue Schulden gemacht werden, um zu verhindern, dass zu viele Menschen arbeitslos wurden. Von dem Geld wurden vom Staat Aufträuge an die Wirtschaft vergeben, damit die Betriebe möglichst wenig Leute entlassen muss. Auch das müsste ja nicht sofort zu einer Schuldenkrise führen. Die Schuldenberge haben nun aber eine solche Höhe erreicht, dass inzwischen den Ländern niemand mehr Geld leihen möchte. Denn die Geldgeber zweifeln inzwischen daran, dass einige Länder die Schulden jemals werden zurückzahlen können. Das bedeutet, dass diese Länder sich nur noch neues Geld leihen können, wenn sie viel viel höhere Zinsen dafür zahlen, als Risiko-Aufschlag sozusagen. Und diese hohen Zinsen werden dann schnell zu einem Teufelskreis, denn sie führen dazu, dass die Schulden sehr schnell immer noch weiter anwachsen.
Impressum | Illustrationen: Gert Albrecht